Einsiedlerhof

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Geschichte vom Anfang bis zur Nachkriegszeit

Die Anfänge

Am 04.06.1215 erhielten die Herren von Hohenecken den Kirchensatz von Ramstein, Weilerbach und Spesbach von Kaiser Friedrich II. Sie stifteten vermutlich zwischen 1220 und 1230 den Deutschherren ein geräumiges Hospital für Arme, Pilger und Verunglückte an der Strata Regia (heute ungefähr Kaiserstraße). 



Der Bauernkrieg

1525 kam es zum Bauernkrieg, der auch die Region rund um Kaiserslautern erreichte. Im Umfeld der Stadt hatten sich mehr als 1000 Bauern zusammengerottet, die die Klöster Otterberg und Fischbach überfielen, die Burg Hohenecken besetzen und großen Schaden durch die Zerstörung von Woogdämmen verursachten. Es ist unwahrscheinlich, dass das Deutschordens-Haus Einsiedel dadurch nicht auch in Mitleidenschaft gezogen wurde. Allerdings fehlen eindeutige Quellen. Einige Hinweise im Register der Deutschordenskommende im Jahre 1525/26 führen allerdings Schäden und Belastungen auf, die auf einen Einfall aufständischer Bauern schließen lassen.

Der Bauernaufstand endete in unserer Region, nachdem sich "fromme" Bauern unter der Führung ihrer Amtsleute den Aufständischen bei Weilerbach entgegengestellt hatten.

Seit ca. 1550 lebten in der Kommende keine Ordensbrüder mehr und es scheint kein Hospital mehr vorhanden gewesen zu sein.



Der 30jährige Krieg

1618 begann der 30-jährige Krieg. 

1620/21 zogen pfälzische Truppen zweimal über die Strata Regia. Am 21.10.1621 besetzten spanische Einheiten Kaiserslautern. 1632 vertrieben schwedische Truppen die Spanier. 1635 wurde Kaiserslautern von Kaiserlichen Truppen erobert, wobei ein Massaker unter der Bevölkerung angerichtet wurde. Die Stadt wurde eingeäschert und war am Tag nach der Eroberung menschenleer. 

Die Kroaten, das Söldnerheer, das Kaiserslautern zerstört hatte, stahlen dem Pächter des Hofes Einsiedel die Pferde, so dass das Gut nicht mehr bewirtschaftet werden konnte. 

Während des Krieges wurde das Hauptgebäude durch einen großen Brand zerstört. 

Trotz des 1648 geschlossenen Friedens von Osnabrück verließen die letzen spanischen Truppen erst 1652 das Oberamt Kaiserslautern.

Das Land war entvölkert, Handel und Gewerbe zum Stillstand gekommen. Um das Oberamt Kaiserslautern war ein Streit zwischen den Kurfürsten entflammt. 



17. und 18. Jahrhundert 

Nach einem Visitationsbericht aus 1657 war es unmöglich, die Zustände im Bezirk Meinsiedel (Kommende Einsiedel) festzustellen, da wegen des Krieges "nicht gereist werden kann".

1679 wird festgestellt, dass das Kommendehaus "durch vielfältig Durchmarschierung dermaßen ruiniert worden, dass weder Behausung, Stallung noch Scheuern ohne hochnötige Reparierung" zu gebrauchen waren. Nur das Chor der Kirche stand noch, aber ohne Dach. 

Auch dem Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1696 fielen erneut weite Teile der Pfalz zum Opfer. 

1696 zogen zwei Lehensbauern auf den zerstörten Hof. Da die Pächter des Hofes Einsiedel aber gleich Pacht zahlen sollten und dies nicht konnten, verließen sie zwei Jahre später den Hof wieder. Es folgten weitere Pächter.

Der Chor der alten Kirche wurde als Marienkapelle eingerichtet und gehörte seit 1705 zur Pfarrei Weilerbach.

Der Hof wurde nun von wechselnden Pächtern bewirtschaftet. 

Es folgte der spanische Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714 mit Durchzug der Franzosen. 

Zu dieser Zeit beklagten die Deutschherren die gefährdete Lage der Kommende an der vereinsamten Strata Regia. 

Im 18. Jahrhundert tauchte ein weiterer Hof in unserem heutigen Ortsbezirk auf: der Lichtenbrucher Hof, der auf einem Lageplan aus dem Jahr 1773 zu sehen ist. 

Auf dem Gebiet des heutigen Ortsbezirks gab es somit zwei voneinander getrennte Hofgüter, die unterschiedlichen Verwaltungen unterstanden. Auf Betreiben des Amtsmanns Johann Diel, der den Einsiedler Hof seit 1752 im Erbbestand hatte, erfolgte 1776 ein Neubau des Hofhauses. Da es zugleich dem Komtur bei seinen Besuchen im oberen Stockwerk als Wohnung dienen sollte, ließ man es in schönen, klaren Barockformen erbauen.



Unter französischer Herrschaft

Um 1788 war Einsiedel ein Hofgut mit 3 Wohnhäusern.

Am 14.07.1789 brach mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution aus. Im August 1789 verkündete die französische Nationalversammlung die allgemeinen Menschen- und Bürgerrechte. Adel und Geistliche verloren ihre Privilegien. 1792 wurde die Republik ausgerufen. Es kam zum Krieg. 

Im Juli 1793 besetzten die französischen Truppen Ramstein, im November kam es zur Schlacht bei Morlautern. Im Frieden von Campo Formio im Oktober 1797 wurde das linksrheinische Ufer faktisch Frankreich zugeschlagen.

Bereits 1798 gründeten die Franzosen das Departement Mont-Tonnere (Donnersberg) mir 37 Kantonen. 

Mit der Herrschaft der Franzosen war das Ende des Besitzes des Deutschen Ordens in der gesamten Pfalz gekommen. Der Besitz der Kommende wurde Nationalgut und überwiegend versteigert. Einsiedel selbst wurde zur Bezahlung des Heereslieferanten Delanoy verwendet.

Durch den Frieden von Luneville im Jahr 1801 wurde die Pfalz rechtlich französisch.

Die Revolutionskriege hatten zur Vernichtung der bisherigen linksrheinischen Herrschaften geführt.

1802 organisierten die Franzosen die Verwaltung neu. 

Unser Gebiet gehörte zum Departement Mont-Tonnerre (Donnersberg)., Arrondissement Kaiserslautern, Kanton Kaiserslautern.

Die Franzosen entschieden, die alte Kaiserstraße als Teil der großen Heerstraße von Paris zum Rhein auszubauen. 

Der Heereslieferant Delanoy aus Paris verkaufte Teile der ehemaligen Kommende Einsiedel an ein Kaiserslauterer Konsortium, an den Posthalter Didier, den Kaufmann Karcher und den späteren königlichen Forstinspektor Franz Daniel Rettig. 

Im Zuge des Straßenausbaus wurde der südliche Teil der Kommendenummauerung, der an der alten Königsstraße lag, abgetragen. 

Mit der allmählichen Fertigstellung der Kaiserstraße nahmen die Postfahrten zu. Die sogenannte Mall, die kaiserliche Post verkehrte auf der neuen Straße jetzt 2mal täglich. Die Poststationen boten den Bauern Gelegenheit zu Vorspanndiensten und schufen den Gaststätten an der Kaiserstraße zusätzliche Einnahmen. 

1809 wurde die Straße 1. Klasse in Landstuhl fertig, 1811 in Lohnsfeld. 1811 war "La grande Route de Paris à Mayence" vollendet. 

1813 wurde Napoleon bei der Völkerschlacht bei Leipzig von Österreich, Preußen und Russland geschlagen. 

Ende 1813 und Anfang 1814 schleppten sich die traurigen Reste der besiegten französischen Armee, darunter Tausende von Verwundeten, über die "Grande Route" westwärts. Viele von ihnen waren von einer pestartigen Seuche angesteckt, dem sog. Spitaltyphus, der auch auf die Bevölkerung übergriff und zahlreiche Opfer forderte. 



Unter bayrischer Herrschaft

Zwischen 1814 und 1816 fanden zwischen Österreich und Bayern Verhandlungen statt, am 30.04.1816 kam die Pfalz als "Rheinkreis" zu Bayern. 

Die Einsiedlerhöfer und Lichtenbrucher unterstanden nun Maximilian I Joseph, dem letzten Herzog von Pfalz-Zweibrücken und seit 1806 bayrischer König.

Die Pfalz war ein bayrischer Regierungsbezirk mit 12 Landkommissariaten , u.a. das Landkommissariat Kaiserslautern. Zu diesem gehörten auch die Gemeinde Kaiserslautern und die Gemeinde Weilerbach. 

Aus dem "Alphabetischen Verzeichnis der Gemeinden des Rheinkreises" aus 1824 ergibt sich, dass "Lichtenbruchhof" zur Gemeinde Kaiserslautern und "Einsiedlerhof" zur Gemeinde Weilerbach gehörte.

Doch der Start des neuen Rheinkreises war schwierig. Die Folgen der "Freiheitskriege" lasteten auf der Bevölkerung, eine Missernte hatte im Winter 1816/17 zur Hungersnot geführt und 1817 kam es zum akutem Wassermangel. Arbeitslosigkeit und Armut waren verbreitet. Infolgedessen kam es zu einem Anstieg von Auswanderungsgesuchen.

Ob die Missernte und die schwierigen Bedingungen den Ausschlag gaben ist unbekannt, auf jeden Fall verlegte jedoch die Familie Bardens den Hof Lichtenbruch 1824 an die Kaiserstraße, die einen bedeuteten Wagenverkehr aufwies, um dort eine Gaststätte zu eröffnen. 

König Maximilian starb am 13.10.1825, sein Nachfolger wurde sein Sohn Ludwig I Karl August.

1825 lebten auf dem Hof Einsiedel 17 "Seelen".

Vom 07. bis 14.06.1829 bereisten König Ludwig und Königin Therese von Bayern die Gaue des Rheinkreises. Auf ihrer Reise machten die Königlichen Majestäten in der Nähe der Maximilianshöhe westlich vom Einsiedlerhof Station. 

1817 wurde der "Rheinkreis" in "Kreis Pfalz" umbenannt. 

1840 kaufte der königliche Rentbeamte Ludwig Müller aus Kaiserslautern den Einsiedlerhof von Rettigs Erben. Müllers Erben veräußerten das Land weiter. Besitzer des Hauptteils wurde der Ziegeleibesitzer Braun.

Am 01.07.1848 wurde die Eisenbahnstrecke Kaiserslautern-Homburg eröffnet. Mit der Inbetriebnahme der Ludwigsbahn wurde der Verkehr mit Frachtfuhrwerken auf der Kaiserstraße weniger. 

Am 01.07.1861 erhielten die "Landkommissariate" in der Pfalz die Bezeichnung "Bezirksämter".

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde 1871 das Deutsche Reich gegründet und der preußische König Wilhelm I zum Deutschen Kaiser proklamiert. 

In Einsiedlerhof lebten damals 50 Seelen, bereits 4 Jahre später war die Einwohnerzahl auf 87 angewachsen.

1911/12 wurde eine Brücke, eine Stahlkonstruktion, über die Gleise der Ludwigsbahn gebaut.



Weltkriege und Umgemeindung

1913 begann die Königlich Bayrische Staatseisenbahn mit dem Bau des Rangierbahnhof Einsiedlerhof. Die Bauarbeiten wurden jedoch durch den Beginn des ersten Weltkriegs 1914 verzögert. 

Seit 1916 beschäftigte sich die Stadt Kaiserslautern mit dem Plan, in der Nähe des im Bau befindlichen Rangierbahnhofs Industriegebiete bereitzustellen. Allerdings gehörte nur ein kleiner Teil des Geländes zur Gemarkung Kaiserslautern. 

1918 endete der 1. Weltkrieg. 

Aus den Bezirksämtern wurden Landkreise.

Am 09.11.1918 wurde die Weimarer Republik ausgerufen.

Am 17.10.1919 beantragten einige Einwohner des Einsiedlerhofs die Loslösung von der Gemeinde Weilerbach und die Eingemeindung zur Stadt Kaiserslautern. Die Gründe waren:

- die durch den Reichswald von Weilerbach getrennte Lage

- die fehlende Verständigungs- und Beförderungsmöglichkeiten zwischen Weilerbach und Einsiedlerhof

- die schwierige Versorgungslage als Teil Weilerbachs

Die Stadt befürwortete grundsätzlich das Anliegen, da sie ihrerseits Interesse an dem Land hatte. Allerdings wurde seitens der Stadt eine Grenzregulierung zwischen Weilerbach, Rodenbach und Kaiserslautern gewünscht, so dass sich die Verhandlungen in die Länge zogen.

1926 errichtete die Gemeinde Weilerbach eine Schulbaracke, in der die Kinder vom Einsiedlerhof und Lichtenbruch in die Schule gingen.

Am 12.10.1928 stellten die Bürger und Grundstücksbesitzer erneut einen Antrag auf Umgemeindung, diesmal an die Regierung der Pfalz in Speyer. Grund für den Wunsch der Einwohner war die Entfernung Gemeindeverwaltung Weilerbach und die aus ihrer Sicht unzureichende Möglichkeit des Schulbesuchs. 

Von der Umgemeindung waren 54 Familien bzw. 231 Einwohner betroffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lichtenbruch ca. 200 Einwohner. 

Am 17.07.1931 beschloss der Stadtrat die Eingemeinung des Einsiedlerhofs.

In den folgenden Jahren sind zahlreiche Menschen zugezogen, weil sie am Rangierbahnhof Einsiedlerhof Arbeit gefunden haben. 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Stahlbrücke bei einem Bombenangriff zerstört, wobei 13 Menschen ums Leben kamen. 

Im Zusammenhang mit Krieg und Vertreibung kamen weitere Personen auf den Einsiedlerhof und ließen sich hier nieder. 



Die Nachkriegszeit

1945/46 wurde von der amerikanischen Besatzungsmacht eine Behelfsbrücke über die Gleise gebaut. 

1947 wurde Rheinland-Pfalz, am 23.05.1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet.

Bei einer Volkszählung 1950 hatte der Einsiedlerhof 943 Einwohner.

Im Mai 1961 wurde mit dem Bau der Kanalisation begonnen. Bei den Kanal- Anschlussarbeiten fand man im Bereich des alten Deutschherrenhauses Skelette. In den folgenden Jahren wurden an der Kaiserstraße Bäume gepflanzt und Parkbuchten angelegt. 



Quellen:

Stadtarchiv: Das Deutschherrenhaus zu Einsiedel bei Kaiserslautern von Dr.-Ing Bremer

Landesarchiv Speyer

Rudolf Fendler: Die Deutschordenskommende Einsiedel und ihre Beziehung zur Stadt Kaiserslautern

Jahrbuch für pfälzische Geschichte und Volkskunde

Pfälzische Heimatblätter, Jahrgang 3 Nr. 6, S. 41-43

Pfälzische Heimatblätter, Jahrgang 4, S. 7

Pfälzische Heimatblätter, Jahrgang 4, Nr. 7, S. 49-50

Kulturdenkmäler von Rheinland-Pfalz

Rheinpfalz vom 20.12.2003 und 28.03.2012

Keddigkeit: Kleine Geschichte der Stadt Kaiserslautern

Kaiserslauterer Jahrbuch für pfälzische Geschichte und Volkskunde

Alphabetisches Verzeichnis der Gemeinden des Rheinkreises, 1824

Bayerns Stolz und Liebe, Des Rehinkreises Jubelwoche oder geschichtliche Darstellung der Reise ihrer Majestäten des Königs Ludwig und der Königin Therese von Bayern

Heimatjahrbuch des Landkreises Kaiserslautern 2011, S. 84Ff

Siegfried Hahnberg, Kaiserslautern – Einsiedlerhof

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